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PURLEDER
4 Min. Lesezeit

Warum pflanzlich gegerbtes Leder nach Wald riecht

Der Duft ist kein Zusatz und kein Parfüm. Er ist das, was von der Rinde im Leder zurückbleibt.

Low sun breaking through the trunks of a forest, shafts of light raking the mossy floor

Pascal van de Vendel / Unsplash

Wer zum ersten Mal ein pflanzlich gegerbtes Leder an die Nase hält, erkennt den Geruch sofort wieder, ohne ihn benennen zu können. Er liegt irgendwo zwischen nassem Holz, Tee und einer alten Bibliothek.

Woher der Geruch kommt

Er kommt aus der Rinde. Tannine sind Polyphenole, und sie bringen ihre eigenen flüchtigen Verbindungen mit: die des Eichenholzes, der Kastanie, der Mimose. Wenn eine Haut wochenlang in einem Sud aus zerkleinerter Rinde liegt, nimmt sie nicht nur Festigkeit und Farbe auf. Sie nimmt den Wald mit.

Es ist derselbe Mechanismus, der einem Wein aus dem Eichenfass seine Vanille- und Gewürznote gibt. Dieselbe Pflanze, dieselben Moleküle, ein anderes Medium.

Warum er sich nicht fälschen lässt

Man kann Leder parfümieren. Die Industrie tut das, und es funktioniert eine Weile. Der Unterschied ist die Tiefe: Ein aufgesprühter Duft sitzt auf der Oberfläche und ist nach Monaten weg. Der Geruch eines pflanzlich gegerbten Leders sitzt in der Faser, weil der Gerbstoff selbst in der Faser sitzt.

Deshalb ist der Duft ein brauchbarer Test. Nicht der einzige, aber der schnellste. Ein Chromleder riecht nach nichts oder nach Chemie. Ein frisch gegerbtes pflanzliches Leder riecht nach dem Baum, aus dem sein Gerbstoff kam.

Und er vergeht

Ehrlich gesagt: Der Duft wird über die Jahre schwächer. Am deutlichsten ist er, wenn die Haut die Gerberei verlässt. Nach fünf Jahren muss man näher herangehen. Er verschwindet nie ganz, aber er ist kein Dauerzustand, sondern der Anfang einer langen Veränderung.